Die Apps World Berlin – (M)ein Fazit

25. April 2015

Von Tobias Moster – Am 23.04. hatte ich das Vergnügen, die Apps World in Berlin besuchen zu dürfen. Zweiter Konferenztag – es steht das Thema HTML5 versus Native Apps auf der Agenda. Ein spannendes und kontroverses Thema, das auch bei Explicatis gerne und häufig debattiert wird. Die Ausgangslage ist klar: Ohne mobile Strategie plant heute kaum mehr ein Unternehmen. Apps über die einschlägigen Stores auf sein Handy zu laden ist so selbstverständlich geworden wie das Browsen im Internet. Was für den Nutzer einfach und bequem ist, birgt für das Unternehmen jedoch das ein oder andere paar Probleme: Ein- und dasselbe Produkt muss gleich zweimal (wer Windows mit dazu nimmt gar dreimal) – in unterschiedlichen Programmiersprachen – entwickelt werden. Die wirtschaftlichen, wie auch die organisatorischen Nachteile liegen auf der Hand. Wie schön wäre doch da die „App aus einem Guss“ – einmal in HTML5 programmiert steht das Produkt plattformübergreifend auf allen erdenklichen Endgeräten zur Verfügung. Kein Stress mit komplizierten Store-Einstellungs-Verfahren, veralteten Client-Versionen, dem Android-Geräte-Zoo – die Welt ist gut. So jedenfalls die Verheißung der HTML5-Evangelisten. Wie sieht die Lage nun aber in Wirklichkeit aus – HTML5 oder Native?

Wer nun (wie ich) glaubt, die Apps World zauberte dazu die abschließende Antwort aus dem Hut, musste leider enttäuscht werden. Das Fazit lautete – wie so oft im Leben: es kommt ganz darauf an. Wer den Vorträgen und Diskussionen auf der Apps Worls aber aufmerksam zuhörte, konnte zumindest mit einem differenzierterem Bild als vorher nach Hause fahren.

Ja – worauf kommt’s also an. Wer im Bereich grafik- und audiolastiger Anwendungen, beispielsweise in der Spiele-Branche, unterwegs ist, wird mit HTML5 irgendwann an die Grenzen stossen, so die Meinung von Krzysztof Szafranek, Frontend-Entwickler bei der Berliner Spiele-Firma „wooga“. Außerdem entspräche die oft beschworene Interoperabilität von HTML5 auch nicht so ganz der Wahrheit – Stichwort CSS-Kompatibilität, insbesondere beim Android-Stock-Browser. Hinzu kommen jene „Zusatzleistungen“, die man mitnehmen kann, wenn man auf den Vertrieb seiner App über die App-Stores setzt: Update-Mechanismus, Mobile Payment, Push-Dienste, etc. Aus diesem Grund setzt „wooga“ – zumindest bis auf Weiteres – konsequent auf Native – Android und iOS.

Was aber, wenn Grafik und Audio, sowie Vetrieb über die Stores nicht im Vordergrund stehen? Eine echte Alternative zeigen die Entwickler von Saxo-Bank aus Dänemark auf, die ihre komplett in HTML5 umgesetzte, hochskalierbare Stock-Trading App vorstellen. Hauptargument pro HTML5 für die Entwickler von Saxo-Bank: Die Gerätevielfalt der Nutzer, insbesondere im Bereich Tablets. Was nativ kaum in den Griff zu bekommen wäre, wird durch die Nutzung von HTML5 zum echten Marktvorteil: dem Nutzer die Freiheit der Gerätewahl belassen, und gleichzeitig plattformübergreifend ein funktionierendes und stabiles Produkt anbieten. Zumindest in der Demo ist das den Entwicklern von Saxo-Bank auf überzeugende Art und Weise gelungen!

Was nun also HTML5 oder Native? Die nächsten Jahre werden zeigen, wohin die Reise geht, und bis dahin wird – auf der Apps World wie auch bei Explicatis – bestimmt noch mehr als einmal heiß darüber debattiert werden!